wir spielten

Furcht und Elend des Dritten Reiches

von Bertolt Brecht (1898 - 1956)

Dieses Werk hat Brecht über 8 Jahre verteilt immer wieder erweitert. Bei allem Realismus, die die einzelnen Szenen ausstrahlen, muss man bei Brecht immer vermuten, er möchte es auch als Parabel verstanden wissen. So sehen wir einerseits das Abbild des 3. Reichs und andererseits in der Abstraktion die vielen Facetten zwischen Mensch, Staat und Macht.
Brecht, aus gutbürgerlichem Hause stammend fühlte sich bereits als Gymnasiast in dieser Gesellschaftsschicht nicht wohl. So schrieb er: „...und ich verließ meine Klasse und gesellte mich zu den geringen Leuten“. Das beschreibt seine Geisteshaltung, Brecht wechselte nicht wirklich in das Leben der „geringen Leute“. Zeit seines Lebens war er Schriftsteller und musste nicht - auch nicht im Exil in einem seiner zahlreichen Gastländer - einer Arbeit geringer Leute nachgehen.

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg sahen viele junge und intellektuelle Leute in der kommunistischen/marxistischen Idee ein erstrebenswertes Ziel. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 offenbarte ein Versagen der kapitalistischen Struktur. Nach dem zweiten Weltkrieg blieb Brecht zunächst in Zürich und kam erst Ende 1948 nach Ost-Berlin. Hier fand er ideale Bedingungen vor. Am Deutschen Theater hatte er eine Bühne für seine Inszenierungen, seine Frau Helene Weigel übernahm einen großen Teil der organisatorischen Arbeit und war wichtiger Bestandteil in „seinem“ Berliner Ensemble. Später wurde sie Intendantin des Deutschen Theaters. Politisch hat er sich weder zur DDR eindeutig bekannt noch kritisch zur ihr geäußert. Wäre er nicht schon 1956 gestorben, hätte er sich später für das eine oder andere entscheiden müssen, denn auch die DDR duldete keine Abweichler. (In den Buckower Elegien – veröffentlicht nach seinem Tod – ist Kritik erkennbar.)

In 30 Szenen beschreibt Brecht 30 Momentaufnahmen des Lebens im 3. Reich und wollte es zunächst „Deutschland – ein Greuelmärchen“ nennen. 1938 fand mit acht Szenen in Paris die Uraufführung statt. Die Szenen stehen für sich, bilden keine fortgesetzte Handlung und fügen sich schließlich doch zu einem Bild des Lebens unter nationalsozialistischer Herrschaft zusammen. Wer da genau hinschaut, versteht die Mechanismen der Diktaturen nämlich: Polarisierung, Angst, Diffamierung von Minderheiten (Feindbild) und tägliche Demonstration der Staatsmacht. Darum ist das Thema auch heute aktuell und wird es immer bleiben.

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß“

(sagt Faust, Goethe). Dieses Zitat rückt den Freiheitsbegriff an die oberste Stelle und sagt zugleich, dass der Wert erst erkannt wird, wenn die Freiheit verloren wurde. Es lohnt sich also darüber (beizeiten*)) nachzudenken. Übrigens, in der Türkei ist "Furcht und Elend des Dritten Reiches" verboten.

*) 1926 im Juni schrieb Goebbels: „Der Machtstaat beginnt auf der Straße. Wer die Straße erobern kann, kann auch einmal den Staat erobern.“

Bild: Bundesarchiv_Bild_183-W0409-300,_Bertolt_Brecht

Warum sollte man diese Inszenierung gesehen haben? Ist es nicht ein Stück deutscher Geschichte, das man gerne abgeschlossen und hinter sich lassen möchte? (Manche möchten das schon) Dieses Schauspiel zeigt, wie ein Volk unter einer Diktatur leidet. Es sind die Menschenrechte, die den einzelnen Bürger vor zu viel Staat schützen können. Darum ist deren Erhalt für jeden Menschen so wichtig.  Hardy Krüger (heute 90 Jahre) wandelte sich vom begeisterten Hitler-Jungen zum Regime-Gegner, weil er von den Verbrechen der NS-Diktatur erfuhr. Er ging nach dem Krieg in die Schulen, um sein persönliches Erlebnis an neue Generationen weiter zu geben. Die Erkenntnis, wohin eine unkontrollierte Staatsmacht führt, muss erhalten bleiben! Der Trümmerhaufen von 1945 und über 60 Millionen Tote mahnen uns noch lange.

Aufnahme von Richard Peter, Deutsche Fotothek