Würmtal- SZ

Shakespeares „Sommernachtstraum“ im Pepper

23.06.2015    Lars Günther Helmer

 

Das ausgezeichnete Schauspielensemble des Theater-Ensemble tgsm hat Shakespeares meist gespieltes Stück zu einem urkomischen Theatererlebnis gemacht, das im Zwischenjahr zum 450. Geburtstag und zum 400.Todestag des großen britischen Dramatikers ein wahres Kabinettstückchen ist.

 

Die Musik wurde von Werner Türk eigens komponiert und geschickt in Shakespeares literarische Vorlage eingewoben.

Das Bühnenbild ist einfach und genial, einfach genial. Nur 2 Stühle und ein Bühnenpodest sind vorhanden. Ein Beamer zaubert mit schönen Landschaftsaufnahmen und Kurzvideos die Kulisse auf die Leinwand im Hintergrund. 

Obwohl oder gerade, weil die Inszenierung von Christine Matz mit wenig auskommt, fast pures Theater ist, das durch seine "Wortkulisse" die Fantasie anregt, in dem die Pointen, Anspielungen und Gesten Maßarbeit sind.

 

Den vier Liebenden gelingt die schauspielerische Umsetzung ihrer Rollen hervorragend. Anna Schmidt gibt eine zwischen Verzweiflung und Wut schwankende Helena, die sich nach Demetrius verzehrt, der wiederum nur Augen für Hermia hat. Alexa Lautenbacher himmelt in dieser Rolle absolut überzeugend ihren Lysander an. Dieser erwidert die Anbetung, bis er durch Pucks Irrtum den für Demetrius bestimmten Zaubernektar abbekommt und fortan von Helena wie besessen ist. Daniel Otter mimt in der Rolle des Lysander ganz phantastisch den jugendlichen Liebhaber und ließ nie einen Zweifel, dass diese Liebe ein gutes Ende finden würde. Oliver Ochs als Demetrius verhält sich Helena gegenüber unglaublich mies und abweisend. Dennoch wird er sie nicht los. Auch hier eine gelungene Darstellung. Action wird dann auch geboten, wenn sich die zwei Liebhaber nicht nur mit Worten, sondern auch mit Schlägen traktieren.

Hermias Vater Egeus wird nuancenreich dargestellt von Lothar Bruns.

 

Theseus/Oberon und Hippolyta/Titania wurden in einer Doppelrolle besetzt. 

Da gefielen zuerst einmal das Fürstenpaar Theseus und Hippolyta mit würdigem, dezentem und leise liebevollem Umgangston. Hans-Jürgen Bäumer überzeugt als Theseus und ganz besonders als intriganter Oberon – einfach nur köstlich. Sehr stark Franziska Metz. Ihre Hippolyta und Titania bannen den Blick, ihre Ausstrahlung hält gefangen.

 

Selten so gelacht beim kleinen Theater-Einmaleins der Handwerker, die sich als Pyramus und Thisbe, als Mond mit Laterne ,als Wand und als Löwe an einer tragödienhaften Farce versuchen – und grandios scheitern.

Regisseur Peter Squenz hat Mühe, seiner Truppe ihre Rollen nahe zu bringen und hält sich verzweifelt an seinem Textbuch fest. Christian Maras überzeugt auf ganzer Linie. Stefan Schüler sorgt mit den zwei gespreizten Fingern als Mauerritze mehrmals für Amüsement. Thisbe, dargestellt von Dominik Roeske, erntet allein schon durch seine Erscheinung – Perücke, altbackenes Kleid und ausgelatschte Turnschuhe- für Lacher, aber auch durch seine herzhafte Spielfreude. Steffen Gutbier haucht dem Handwerker Schnock mit faszinierender, durchgängiger Mimik Leben ein und überrascht am Ende als Löwe mit so nicht erwartetem, lautem Gebrüll.    

Star der Truppe ist Klaus Zettel, fantastisch dargestellt von Rainer Gulle. In grenzenloser Selbstüberschätzung, die er mit einem einzigen Augenrollen vermittelt, würde er am liebsten alle Rollen selbst über- und auch noch seinem Regisseur die Arbeit abnehmen. Er glänzt erst als gockel- und dann goofyhafter Zettel. Eselhaft zottelig und in Sachen Erotik herrlich schlappschwänzig wirkt er, als Titania ihn in einer spektakulären Szene auf dem Bühnenpodest als Toyboy begehrt.

 

Und da flitzt noch ein höchst gehorsamer Diener des Elfenkönigs Oberon über die karge Bühne und durch den Wald : Puck, der Troll. Hanne Gunnesch wirbelt körperlich ausgesprochen quirlig, ausdrucksstark und sprachlich nuancenreich durch diese Feenwelt.
 

Alles in allem wurden die Zuschauer mit eindrucksvollen Bildern, lebendigem und hochkonzentriertem Spiel der gesamten Schauspieltruppe und einer präzisen und einfallsreichen Regiearbeit von Christine Matz verwöhnt, denn diesem mehr als zweieinhalb Stunden langen „Sommernachtstraum“ folgt man mit großem Vergnügen.